Philipp-Neri-Akademie


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Hilfe ich soll ein Mann werden

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Kurs 11: Hilfe ich soll ein Mann werden - aber ich schaffe es nicht!


1. Was wir wissen: Täglich versuchen sich bei uns in Deutschland 40 Kinder das Leben zu nehmen. Leider gelingt es auch (zu) vielen. Mike war auch einmal ein intelligenter, munterer Junge, dem man gerne eine gute Entwicklung gewünscht hätte. Was er so dringend gebraucht hätte, war Entwicklungshilfe. Doch wie so vielen blieb ihm solche stets versagt. Keiner hatte für ihn Zeit, niemand wollte sich um ihn kümmern. Seine sehnsuchtsvoll suchenden blicke gingen ins Leere. Augen und Mund Ist anzusehen, dass ihm Weinen näher war als Lachen. Als eines Tages wirklich nichts mehr ging, alles Warten umsonst war, setzte er seinem Leben ein Ende. Da war er gerade mal 5 Jahre alt.
Seit Jahren ist Selbsttötung zur zweithäufigsten Todesursache bei Kindern und Jugendlichen geworden. Im Vorfeld ist es oft Drogenkonsum, der junge Menschen an Leib und Seele ruiniert. Und inzwischen haben wir über eine halbe Million alkoholabhängiger Jugendlicher. Überall Ist viel höllische Angst mit im Spiel. Und in unserer übersexualisierten Welt viel be- und erdrückende Sexualität. Alles verbunden mit, ja eingebaut ¡n eingefrorene Gefühle, die im innern eine Art ,,Wunde” darstellen, die förmlich nach Heilung schreit.

2. Nach Amokläufen an Schulen halten dann viele entsetzt den Atem an und sind sich nach wenigen Tagen mit den Eltern des ,,Läufers” einig, dass sie diesen - man denke: den eigenen Sohn! - ,,nie richtig gekannt” hätten. Kinder und Jugendliche machen unsere Zukunft aus, Wirtschaft und Politik die Gegenwart, der man sich dann nach wenigen Tagen wieder zuwendet.

3. So manches stellt sich uns heute anders dar als wir es von früher gewohnt waren: Fast nicht mehr erkennbar steckt viel Suche nach Geborgenheit dahinter, wenn ein i 6-Jähriger berichtet, er habe »die Schule hingeworfen”, weil er dort ,,eh nichts fürs Leben lerne”. Er mache gar nichts mehr, nur noch Sex und das mit wechselnden Partnern. Oder wenn ein 5-Jähriger betont, dass er ,,Sex einfach brauche” und zwar möglichst ,,dreimal nacheinander’. Oder wenn eine i 8-Jährige berichtet, sie mache zwar die Schule fertig, habe aber »mit 13 mit dem Sex angefangen” und inzwischen „mindestens schon 18 Männer gehabt.“ Ein Überblick über bestehende Zusammenhänge bleibt unbekannt. Und der Gruppendruck sorgt dafür, dass man seinen ,,Spaß” daran hat. Man muss es ja auch anderen gleichtun. Doch was sagen wir, wenn da eine 9-Jährige ,,mit Zwillingen gesegnet” und der ,,Erzeuger” gerade mal 12 ist? Das Fernsehen zeigte einen i 2-Jährigen, der seinen ,,Sohn” im Arm hielt; die dazugehörige Mutter war 14! Wir leben eben in einer „übersexualisierten” Gesellschaft, ¡n der Sexualität - freilich völlig ohne Liebe - längst zu einer „Ware” geworden Ist, die man haben wollen und kaufen kann. Und schließlich machen es ja die Erwachsenen vielfach auch so vor!

4. Grausamkeit, Brutalität und Gewalt haben – gerade auch bei den Jugendlichen – erschreckende Ausmaße angenommen. Es ist wenig sinnvoll, nach Schuldigen zu suchen. Und wenn wir nach Ursachen Ausschau halten, fahren wir uns sehr schnell fest: Die Medien sind oft wenig hilfreich, sie verstecken meist den weit verbreiteten Anreiz zur Nachahmung vieler ihrer Produkte.
Die Schule lässt in ihren Lehrplänen die Vermittlung von Lebenshilfen vermissen, ja sie vermeidet es geradezu, Freude am Leben und an sich selbst, also Lebensglück, anzubieten.
Alle aufgezeigten Beispiele machen deutlich, welche Schäden in der heranwachsenden Persönlichkeit angerichtet wurden, wenn sie in und mit ihrer Entwicklung allein gelassen wurden. Hier nun auch noch nach den Eltern zu fragen, die ja wohl für Geborgenheit und Zuwendung zuständig sein dürften, bringt uns nicht weiter: der Marburger Schulpsychologe Dieter Krowatscheck und mit ihm viele andere berichten aus langjähriger Erfahrung, dass 9O% der Eltern keine Ahnung von Erziehung haben.

5. Die nach einem Schüler-Amok immer wieder zitierten Computer-Spiele und die mitunter leichte Erreichbarkeit von Schusswaffen sind selbst keine Ursachen für das tragische Geschehen, vielmehr sind sie selbst Folgen mangelnder Entwicklungshilfe und fehlender Zuwendung.

6. Wer als Kind oderjugendlicher in seiner Entwicklung zu sehr allein— und sich selbst überlassen war, leidet - offenen Wunden vergleichbar – unter anhaltendem inneren (seelischen) Druck, der Lernen und Wachstum, Aufmerksamkeit und Konzentration verhindert und wie alle posttraumatischen Zustände die gesamte Entwicklung - und eben auch das gesamte Verhalten stört und behindert.

7. Was kann man tun? Wie können wir helfen? Vor allem auch, um so etwas wie Amok zuvorzukommen?
a) Konkret habe ich es so formuliert: ,,Ein Mensch in seelischer Not braucht als Hilfe einen MENSCHEN, keine Institution, keine Medikamente.”
b) Friedrich Rückert (1 788-1 866) hat das in einem Gedicht fein erklärt: „Dass du mich liebst, macht mich mir wert!”
c) Eine Kurzformel haben wir schon lange von Jeremias Gotthelf (1 797—1 854). Sie lautet: „Niemand zu haben auf der Welt, zu dem man sich flüchten, auf den man in jeder Not bauen kann, das ist ein Weh, an dem so manches Herz verblutet!”

8. In erster Linie sind es die Erwachsenen, die unsere Umwelt gestalten (nicht n u r die Politiker). Leider kann, nein, m u s s man sagen, dass es bei uns längst schon tausende Kinder und Jugendliche sind, deren Herz in Gefahr ist, zu verbluten. Nur Zuwendung, Geborgenheit, Interesse und Liebe können dem zuvorkommen und Schäden mildern.

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